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Vergiftung durch Pestizide

5288_141x141_JFR.jpgEine der gängigeren allgemeinen Hypothesen für CCD verweist auf Pestizide (genauer gesagt: auf Insektizide). Die Auswirkung von Pestiziden auf Bienen und deren Zusammenhang mit dem Kollaps von Bienenvölkern lassen sich nur sehr schwierig verifizieren. Erstens ist es auf Grund der Vielzahl der verwendeten Pestizide kaum möglich, gleichzeitig auf alle denkbaren Pestizide zu testen.

Zweitens sind zahlreiche professionelle Imkereibetriebe hochgradig mobil und transportieren ihre Völker im Laufe einer Saison über weite Entfernungen, wobei die Bienenvölker an jedem Einsatzort einer unterschiedlichen Pestizidmischung ausgesetzt sein können. Drittens lagern die Bienen selbst sowohl Pollen als auch Honig für längere Perioden ein. Entsprechend können Tage und Monate vergehen, bis das möglicherweise kontaminierte Material schließlich an das Volk verfüttert wird. In diesen Fällen ist es unmöglich, den Ausbruch von Symptomen mit einem Zeitpunkt in Zusammenhang zu bringen, an dem das Bienenvolk mit bestimmten Pestiziden in Kontakt geriet.

Erst kürzlich wurde die Meinung veröffentlicht, dass die Bienen ein Opfer neuer Arten von Pestiziden – der nikotinhaltigen Pestizide - sind. Imker aus Kanada sind auch der Meinung, dass gerade Neonicotinoide das Bienensterben verursachen. Bislang beruht der Großteil der Evaluation einer möglichen Beteiligung von Pestiziden bei CCD auf Beobachtungen, die von den Imkern gemacht wurden.

Wahrscheinlich ist eine unmittelbare Diagnostik pathologischen Materials betroffener Völker erforderlich, insbesondere hinsichtlich der möglichen Rolle solcher systemischer Insektizide wie Imidacloprid aus der Gruppe der Neonicotinoide, die auf die Ackerböden aufgebracht werden und so in die Pflanzengewebe, einschließlich in Pollen und Nektar, vordringen. Der Effekt von Imidacloprid auf die Insekten, einschließlich Honigbienen, ist den Syndromen von CCD ähnlich. Es ist bekannt, dass der Einfluss von Imidacloprid auf Termiten eine Verletzung des Immunsystems und Orientierungslosigkeit verursacht. In Europa wird der Zusammenhang zwischen dem Phänomen „der aussterbenden Bienen“ und Imidacloprid seit langem diskutiert. In letzter Zeit steht eine vom „Komitee für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit“ („Comité Scientifique et Technique“ (CST))" durchgeführte Untersuchung im Zentrum der Aufmerksamkeit, nach der fünf andere fipronilhaltige Insektizide für bienengefährlich erklärt wurden. Als Folge wurde in Frankreich der Einsatz von Imidacloprid teilweise verboten.

Beinahe gleichzeitig, als es französischen Imkern gelang, das Verbot von Neonicotinoiden durchzusetzen, gestattete die Regierung des US-Präsidenten Bill Clinton den Einsatz von früher verbotenen Pestiziden, darunter auch Imidacloprid. 2004 wurden durch die Regierung des Präsidenten Busch die Normative nochmals reduziert. Als Folge nahm die Verwendung von Pestiziden zu. Es existiert die Meinung, dass die Verwendung von Neonicotinoiden beim Anbau landwirtschaftlicher Kulturen in den USA die Ursache für die Zunahme von CCD-Fällen seit 2004 sein könnte. Es gibt jedoch keine Untersuchungen für den Beweis dieses Zusammenhangs.

2005 entdeckte eine Gruppe von Wissenschaftlern unter Leitung des Nationalen Instituts für Imkerei, Bologna, Italien, dass Pollen von mit Imidacloprid bedeckten Samen erhebliche Mengen an Insektiziden enthält. Sie wiesen darauf hin, dass vergifteter Pollen eine Ursache für das Aussterben von Bienenvölkern sein kann. Die Analyse von Mais und Sonnenblumen, aus Samen, die mit Imidacloprid bedeckt waren, zeigt, dass erhebliche Mengen an Insektiziden von den Bienen in ihre Stöcke mitgebracht werden. Auch eine subletale Dosis von Imidacloprid in einer Saccharoselösung hat Einfluss auf die Fähigkeit von Bienen, in den Stock zurückzukehren oder Futter zu finden.

Imidacloprid in einer Saccharoselösung, unter Laborverhältnissen eingesetzt zur Verfütterung an Bienen, stört die Wechselbeziehungen der Bienen untereinander für einige Stunden. Subletale Dosen von Imidacloprid verminderten unter Laborverhältnissen und im Versuchsfeld die Flugfähigkeit und den Geruchssinn der Bienen. Auch war das Geruchsgedächtnis gestört. Trotzdem wurden bisher keine detaillierten toxikologischen Untersuchungen über etwaige Rückstände von Pestiziden in den Honigvorräten oder im Pollen bei von CCD betroffenen Bienenvölkern veröffentlicht. Aus diesem Grund ist die Verbindung zwischen Neonicotinoiden und CCD ungeachtet der Übereinstimmung der Symptome bislang nicht bestätigt.


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